Einweisen
Spezielle Arbeitsweisen - Gebote der Jagdpraxis
Möchte man sich die speziellen Arbeitsweisen differenziert betrachten, so muss man sich bewusst machen welche jagdlichen Bedürfnisse zum Entstehen dieser Rassen geführt haben. Die meisten Retrieverrassen stammen ursprünglich aus England, einem Land in dem die Jagd eine jahrhundertealte Tradition hat und auch heute noch sehr traditionsbewusst ausübt wird. Das Landschaftsbild Englands ist geprägt von Hecken, Steinmauern, kleinen Gehölzen, Teichen und Seen, welche ein intaktes Ökosystem bilden, indem das Wild optimale Voraussetzungen hat. Oftmals wird auf den Ländereien, der meist adligen Jagdherren, das Wild von professionellen Jagdaufseher (engl. Gamekeeper) gehegt. Bedingt durch diese idealen Bedingungen findet man in England auch heutzutage einen guten Niederwildbesatz und optimale Jagdbedingungen vor.
Alljährlich werden Niederwildjagden auf Fasan, Rebhuhn, Ente und Schnepfe als ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis gepflegt. Als Inbegriff der Flugwildjagd gilt die Jagd auf den getriebenen Fasan. Welcher Schütze träumt nicht von einem direkt über seinem Kopf fliegenden „Turmfasan“ als Ziel seines erfolgreichen Schusses. Oftmals werden diese Jagden, da diese lange Zeit Vorrecht der „Upper Class“ waren und auch häufig heute noch sind, als „Grafenjagden“ bezeichnet. Die Gelegenheit an einer solchen Jagd teilnehmen zu dürfen ist nicht selten der lang gehegte Wunschtraum des passionierten Niederwildjägers. Niederwildjagden haben infolgedessen einen hohen Stellenwert im Jagdjahr. Nichts, aber auch gar nichts soll an einem solch begehrten Jagdtag schief gehen. Um effizient jagen zu können, setzen die Engländer deswegen bei Niederwildjagden zwei Spezialisten als Jagdhelfer ein. Für die Stöberarbeit vor dem Schuss den Spaniel und den Retriever als Apportierspezialisten.
Tagestrecken von mehreren Hundert Stück Federwild sind bei solchen Jagden keine Seltenheit, welche oftmals nur mit 6-8 Retrievern eingesammelt werden. Man erwartet von den Apportierhunden, dass sie bei ihrer Arbeit schnell und präzise arbeiten, denn das ganze Jagdgeschehen soll durch das Bergen des Wildes (engl. Picking up) nicht aufgehalten werden. Zudem müssen diese Hunde ihre Arbeit so kräfteschonend wie möglich ausführen, denn sie müssen eine ganzen Jagdtag durchhalten. Eine weiter Anforderung ist, dass der Apportierhund auf keinen Fall über das schon bejagde Gelände hinausjagen soll; nicht bejagdes Gelände darf durch die Arbeit des Hundes unter gar keinen Umständen beunruhigt werden, damit das sich dort drückende Wild nicht vertrieben wird. Unter allen Umständen muss vermieden werden, dass das nächste Treiben ohne Wildvorkommen ist.
Aus diesen jagdlichen Forderungen heraus haben sich in den beiden letzten Jahrhunderten die sehr spezielle Arbeitsweisen der Retriever „Markieren“ und „Einweisen“ herausgebildet. Man kann zusammenfassend sagen, man erwartet von einem guten Retriever, dass er den Jagablauf nicht stört und seine Arbeit schnell, präzise und so kräfte- und geländeschonend wie nur irgendwie möglich auszuführen soll, d.h. also mit der größten erreichbaren Effizienz.



