Einweisen

„Markieren“ – zielgerichtete Selbständigkeit

Betrachten wir nun die speziellen Arbeitsweisen eines Retrievers, so sticht uns schnell das „Markieren“ ins Auge. Was bedeutet nun „Markieren“? Ein gutausgebildeten Retrever soll das Jagdgeschehen aufmerksam verfolgen, wenn er während des Treibens neben seinem Führer ruhig wartet. Er soll selbstständig die Flugbahn der geschossenen Stücke beobachten und sich die Fallstelle merken (markieren). Ein Apportierhund muss hierfür die Fähigkeit haben die Entfernung zur Fallstelle einzuschätzen, auch wenn er die Flugbahn des Vogels nicht vollständig, sondern nur teilweise beobachten kann. Oftmals liegt auch die Fallstelle des Stückes verdeckt im Bewuchs oder hinter Büschen oder Bäumen, sodass der Hund sie nicht sehen kann. Auch dann wird von einem guten Apportierhund erwartet, dass er Richtung und Entfernung zu der Fallstelle des Stückes schätzen kann.

Der Retriever arbeitet immer erst nach dem Schuss, er wird gezielt auf die geschossenen Stücke geschickt, die er dann apportieren soll. Bei der Streifjagd wird er sowie ein Stück gefallen und die Linie der Schützen stehen geblieben ist geschickt, er kann dann direkt ohne große Zeitverzögerung arbeiten. Beim Standtreiben hingegen wird, um den Ablauf des Treibens nicht zu stören, der Hund erst nach Beendigung des Treibens zum Arbeiten geschickt. Während des Treibens wird der Hund einzig auf verletztes flüchtendes Wild (engl. Runner) geschickt; dies aus jagdethischen Gründen. Ein guter Apportierhund muss deshalb fähig sein sich auch mehrer Fallstellen der geschossenen Stücke (Markierungen) gleichzeitig, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, zu merken, er soll diese nach Beendigung des Standtreibens dann zielsicher anlaufen und nacheinander ausarbeiten und die geschossenen Stücke bringen.

Um alle diese Erfordernisse zu erfüllen muss der Hund gelernt haben ruhig und gelassen zu warten, nur dann wird er sich in einem ausreichenden Maß auf das Jagdgeschehen konzentrieren und markieren können. Nach einem erfolgereichen Schuss darf der Hund auch nicht aus eigenem Antrieb zum gefallenen Stück losrennen um es zu apportieren. Er muss solange ruhig neben seinem Hundeführer warten, bis dieser ihn gezielt zum Arbeiten schickt. Dann soll der Hund möglichst ohne weitere Hilfe des Hundeführers auf direkt Weg zur Fallstelle des geschossenen Stückes rennen, denn durch die Arbeit des Hundes darf, insbesondere bei der Streifjagd, noch nicht bejagdes Gelände nicht unnötig beunruhigt werden. Das gefundene Stück soll der Hund dann selbständig aufnehmen und damit auf dem kürzesten Weg zum Hundeführer zurückkommen. Sind mehrere Stück gefallen, so muss der Hund diese auch in der Reihenfolge abarbeiten, die sein Hundeführer im vorgibt. Der Hundeführer kann so entscheiden welche Stücke von dem Hund zuerst gebracht werden sollen und infolgedessen  den Hund gezielt zuerst auf einen noch lebenden verletzten Vogel schicken, bevor er dann die toten Stücke holen lässt.

Die Vorteile des „Markierens“ sind entsprechend der Gebote der Jagdethik, welche fordern, dass das Wild muss schnellstmöglich getötet werden muss um es vor unnötigen Leid zu bewahren. Ein gutausgebildeter Retriever ist in der Lage gefallende noch lebende Stücke vor toten Stücken auf direktem Weg angelaufen und zu apportieren. Das beschossene Wild wird somit schnell gefunden und gebracht, d.h. die Arbeit wird effektiv schnell und zudem kräfte- und geländeschonend ausgeführt.

Um „Markieren“ zu können, muss der Hund lernen, mit seinen Augen zu arbeiten, denn er soll den Fall des Stückes mit den Augen verfolgen und sich merken, an welche Stelle es hingefallen ist, damit er dann direkt in den Fallbereich laufen kann. Dennoch sind bei einer Markierung nicht nur die Fähigkeit der Augen gefragt. Im Fallbereich liegt das Stück meist für den Hund nicht sichtbar in höherem Bewuchs, so dass er auch beim Markieren lernen muss, im Fallbereich seine Nase einzusetzen, um im engen Bereich um den Fallpunkt herum zu suchen. Findet er es nicht sofort, dann soll er selbstständig in einem engen Bereich um die Fallstelle suchen, ohne dabei in eine weiträumige Suche überzugehen. Ist das Stück verletzt und flüchtet, dann muss der Hund vom Fallplatz aus, selbstständig das Geläuf des Stückes aufnehmen und diese ausarbeiten. Bei Erreichen des verletzen Wildes wird vom Hund erwartet, dass dieses ohne Zögern und ohne weiteren Befehl greift und dann unversehrt seinem Führer zuträgt.

Mit gut strukturiertem Training kann man die Markierfähigkeit des Hund sehr gut aufbauen und fördern. Beim Training geht man systematisch vor und bringen dem Hund bei die Entfernung, den Wind und das Gelände richtig einzuschätzen. Zuerst beginnt man auf einfachen Gelände bis er fähig ist dort exakt zu markieren. Für das weiter Markiertraining geht man dann systematisch vor, damit der Hund Vertauen in seine Markierfähigkeit aufbauen kann. Man führt ihn gezielt an die unterschiedlichsten Gelände und Bewuchsarten heran. Er muss lernen in jedem Gelände zu markieren.