Prüfungsarten

Prüfungsarten

Arbeitsprüfungen

Retriever werden für den jagdlichen Einsatz, als Spezialisten für die Arbeit nach dem Schuss gezüchtet. Die spezifischste Arbeit des Retrievers ist somit das “Retrieven” (das Bringen von geschossenem Wild).

Die jagdliche Leistungsfähigkeit der Hunde wird durch entsprechende Arbeitsprüfungen überprüft. Der Deutsche Retriever Club (DRC) unterscheidet dabei zwischen jagdlichen Prüfungen, die mit kaltem oder warmen Wild durchgeführt werden und “nicht” jagdlichen Prüfungen, bei denen die Fähigkeiten der Hunde nicht mit Wild, sondern mit Dummies überprüft werden. Diese sprachliche Unterscheidung empfinde ich allerdings für etwas unglücklich und irreführend.

Die Dummyarbeit entstand ursprünglich in England. Das Dummy (engl. = Attrappe) ist ein Leinensäckchen, dass zum Apportieren anstelle von Wild verwendet wird – Standardmäßig wiegt es 500 g und ist schwimmfähig. Die Dummyarbeit wurde entwickelt, um zum Einen schon ganz jungen Hunde an die jagdliche Praxis heranzuführen zu können, ohne sofort mit Wild arbeiten zu müssen. Jagdethische Gründe spielten hier sicherlich eine Rolle, da waidgerechtes Arbeiten eben nur mit einem schon ausgebildeten Hund möglich ist. Man bildete die jungen Hunde deshalb mit Hilfe von Dummies aus und überprüfte ihr schon gefestigtes Können, bevor man an das Arbeiten mit Wild ging. Andererseits erhielt man mit Hilfe der Dummy-Arbeit die Möglichkeit den hohen Leistungsstand eines fertig ausgebildeten Hundes auch außerhalb der Jagdsaison aufrechtzuerhalten.

Bei Prüfungen und Wettbewerben mit Dummies (sog. Workingtests) werden deshalb jagdliche Situationen nachempfunden und jagdnahe Aufgaben gestellt. Somit ist bei den sogenannten “nicht” jagdlichen Prüfungen auch der jagdliche Bezug gegeben. Der Unterschied liegt eben nur darin, was apportiert wird – Wild oder Dummies.

Die Dummyarbeit bietet eine gute Alternative zum Arbeiten mit Wild. Nicht jagdlich geführte Retriever können auch mit Dummies ihrer züchterischen Bestimmung entsprechend optimal beschäftigt werden. Nicht zu vergessen ist auch, dass steigende ökologische Bewusstsein der Bevölkerung und die Zunahme der Jagdgegner. Mit Dummies kann man den Bedarf an Übungswild drastisch reduzieren und dennoch einen brauchbaren Jagdbegleiter ausbilden und seine Fähigkeiten erhalten. Man entspricht somit dem modernen Tierschutzgedanken.

Bei den jagdlichen Prüfungen des DRC’s orientierte man sich in der Vergangenheit stark an den Prüfungen der deutschen Jagdhunderassen. In den letzten Jahren jedoch ist einiges im Wandel; es wurden vom DRC mannigfache Veränderungen bei den jagdlichen Prüfungen durchgeführt. Diese Veränderungen zeigen ein Umdenken und geben Anlass zur Hoffnung, dass nun verstärkt die Spezialdisziplinen wie Markieren und Einweisen in den bestehenden und neuen Prüfungsordnungen berücksichtigt werden. Als Retriever-Liebhaber sollte man sich auf die besonderen Fähigkeiten unserer Spezialisten besinnen und auf keinen Fall versuchen, einen neuen Vollgebrauchshund zu kreieren!